Ich möchte mir eine Vmax kaufen!

Erst einmal herzlichen Glückwunsch. Erstens hast du Geschmack und zweitens, vermutlich auch Geld ;o)

Eine gut erhaltene Vmax, egal ob (fast) original Zustand oder umfangreich umgebaut, wird man nicht unter 4.500 – 5.500 Euro bekommen.
Generell gelten bei der Vmax erst einmal die gleichen Regeln beim Gebrauchtkauf, wie bei allen anderen Motorrädern.

  • Ist die Maschine gepflegt?
  • Gibt es Wartungsnachweise?
  • Ist der Kilometerstand plausibel?
  • Wie viele Vorbesitzer?
  • Sind die Papiere komplett?
  • Sind alle Zubehörteile und Umbauten eingetragen?

Typische Tests die man machen sollte:

Lenkkopflager ohne Spiel?
(Motorrad auf Hauptständer, jemand setzt sich auf den Soziussitz und lehnt sich so weit nach hinten, bis das Vorderrad Luft hat. Dann bewegt man vor dem Motorrad stehend die Gabelfüße an der Achse vor und zurück. Wenn hier Spiel ist, hat das Lenkkopflager vermutlich einen Knacks.)

Ölwanne trocken und dicht?

Öleinfüllstutzen öffen und nachsehen ob das Öl sauber ist und kein hellbrauner Schlamm/Schaum zu erkennen ist.
(Hellbrauner Schaum/Schlamm ist ein Zeichen für Wasser im Öl. Es könnte nur die Kopfdichtung sein, aber auch auf ein größeres Problem deuten)

Kühlwasser-Ausgleichsbehälter öffnen und nachsehen ob Wasser sauber ist.
(Auch hier kann schmieriges Wasser oder „eine dreckige Brühe“ ein Zeichen für Öl im Wasser sein. Es könnte nur die Kopfdichtung sein, aber auch auf ein größeres Problem deuten.)

– Bei Vmax-Modelle mit V-Boost  (Liste aller Modelle)
(Hier muss der V-Boost beim Einschalten der Zündung zu hören sein. Ein gut wahrnehmbares Bssst-Bssst „sagt einem“ der V-Boost ist da und die Drosselklappen öffnen und schließen im Selbsttest. Genaueres Testen kann nur bei einer Probefahrt erfahren werden.)

Wenn man jetzt noch die paar wichtigen technischen Fakten parat hat, die die baujahr-abhängigen Modifikationen betreffen, ist man schon gut unterwegs. Denn oft macht nur eine ein Jahr jüngere Vmax einen deutlichen Unterschied bei den verbauten Bremsen oder der Gabel. Hinzu kommt, dass die Vmax ein Motorrad ist, an dem gerne umgebaut wird. Nicht selten wird eine Max angeboten, die vom Baujahr eigentlich die weiterentwickelten Teile haben sollte, aber (warum auch immer) seltsamerweise die älteren, schwächeren Teile verbaut hat. Der Verkäufer ist natürlich immer ahnungslos ;o)

Die wichtigsten Änderungen über die Jahre sind u.a. folgende:

Ab 1993/1994:

  • Gabel & Bremsanlage wurde komplett überarbeitet und durch stärker dimensionierte ersetzt.

Ab 1996:

  • Ölfilterpatrone und Gehäuse durch kompletten Ölfilter ersetzt
  • Überarbeitete Kupplung, Getriebe und Kardan-Endantrieb

Ab 1999:

  • Der alte Schaltstern im Getriebe wurde durch ein verschleißarmen Schaltstern ersetzt. Dieser kann auch bei älteren Modellen nachgerüstet werden da die Bauform identisch ist.

Eine der gravierendsten Änderungen wurden bereits 93/94 von Yamaha gemacht. Man kann sehr einfach erkennen mit welchem Typ Gabel und Bremsanlage man es zu tun hat.

Die alte Gabel hatte verchromte Standrohre mit einem Durchmesser von 40mm. ab 93/94 wurde eine Gabel mit 43mm  Durchmesser verbaut und bot somit mehr Stabilität.

Die vordere Bremsanlage hatte bis 93/94 zwei 2-Kolben Bremszangen. Mit der neuen Gabel wurden auch standfestere Bremszangen verbaut. Die neuen Zangen haben nun 2×2, also 4 Kolben mit deutlich mehr Biss.

Ansonsten ist zur Vmax noch zu sagen, dass sie nicht das stabilste Fahrwerk hat. Dabei muss man immer bedenken, dass die Vmax 1984 konstruiert wurde und 1985 auf den Markt kam. Zu dieser Zeit waren wackelige Fahrwerke nicht so ungewöhnlich. Bemerkbar macht sich die Fahrwerk-schwäche bei mittleren bis hohen Geschwindigkeiten. Sie treten zu unterschiedlichen Situation ein. So gibt es das typische Hochgeschwindigkeits-Prendeln. Als Fahrer merkt man dies nicht immer sofort, einen hinterher fahrenden kann aber Angst und Bange werden ;o)

Dennoch, ist solch ein Fahrverhalten nicht schon und je nach Ausprägung auch gefährlich.
Weiter kann ein Pendeln auftreten bei Geschwindigkeiten von 120-150 km/h in Langgezogenen Kurven. Im Soziusbetrieb tritt dieser Effekt deutlich seltener bis gar nicht auf.

Woher kommt das Wackeln und Pendeln?
Es kann verschiedene Gründe geben und jeder Vmaxxer hat eine andere Erklärung wie er „sein“ Wackeln eliminiert hat.
Vermutlich hat auch jeder Recht, denn ein solches Wackeln kann zb. von der Gabel, bzw. Gabelbrücke & Lenkkopf kommen. Es kann am Schwingenlager liegen und schließlich ist der dicke Ballon-Hinterreifen ein weiterer Schuldiger der bei hohen Geschwindigkeiten ein gewisses Eigenleben entwickelt.

Den größten Schritt zu einem besseren Fahrverhalten ist der Umbau auf andere Felgen. Mit 17″ Felgen kann man Reifendimensionen nach heutigem Stand der Technik fahren. Radialreifen haben ein deutlich besseres Fahrverhalten. Viele Vmaxen sind bereits in diesem Punkt umgebaut und haben einen 180er oder 190er Hinterreifen auf einer 17″ x 5,5″ oder 17″ x 6″ Felge. Hier kann man sich als Käufer freuen, wenn alles eingetragen ist.

Ein deutlich aufwändiger und teurer Umbau ist der Wechsel von der Telegabel zu einer modernen USD Up-Side-Down Gabel. Hier bekommt man ein deutlich stabileres Fahrverhalten mit einer oft einher gehenden kürzeren Gabel, die den Schwerpunkt etwas nach vorne/unten verlagert = gut für´s Handling.
Das waren die Vorteile! Ach ne, die geile Optik ist natürlich der wichtigste Vorteil ;o)
Der Nachteil an einem solchen Umbau ist der danach meist vorhandene Wendekreis eines LKW und ein Bankkonto, dass gut und gerne 2.500 – 3.000 Euro leichter ist. Wer mag kann aber auch deutlich mehr investieren.

Wer jetzt immer noch Bock auf Vmax hat, ist entweder komplett wahnsinnig oder einfach infiziert.
In diesem Zusammenhang, nochmal herzlichen Glückwunsch.
Ist es nicht schön auch mal was komplett unvernünftiges zu tun?!

 

 

 

 

 

 

Neben diesen ganzen Punkten sind die Eintragungen besonders wichtig.