Navigationslösungen gibt es viele und für fast jede Anforderung. Auch für Motorräder gibt es Navis. Meist unterscheiden die sich von denen die man per Saugnapfhalter im Auto verwendet nur darin, dass sie Wetterfest – sprich wasserdicht sind.

iOnWatch_orig_pics

iOnWatch original Fotos

Mir sind solche dicken Navis am Lenker aber viel zu klobig. Zudem mag ich die Halterung nicht am Motorrad haben.
Eine weitere Möglichkeit ist das eigene Smartphone mit Navisoft zu verwenden. Das Smartphone könnte man in einen Tankrucksack packen und wenn dieser mit einer transparenten Tasche versehen ist, kann man sogar während der Fahrt drauf schauen. Den Ansageton kann man per Kabel ins Ohr bekommen oder etwas professioneller via Bluetooth in das im Helm verbaute Headset. Nebenbei lässt sich darüber auch bei Bedarf telefonieren und/oder Musik hören…. Wer es braucht…

Aber auch diese Variante schließt sich für mich aus, da ich nur sehr selten mit Tankrucksack fahre.

Eine weitere Möglichkeit ist nur nach Stimme zu fahren. Ich habe die Navigation nur per Ansage mehrfach ausprobiert. Das Smartphone bleibt dabei in der Jackentasche. Grundsätzlich funktioniert diese Lösung, aber immer eine Stimme direkt im Ohr gefällt mir auf Dauer doch nicht. Und wenn man wirklich flott unterwegs ist, leidet die Verständlichkeit doch sehr.

Android rocks the Bike…

Sony SmartWatch 2

Sony SmartWatch 2

Nun bin auch auf die genau gegenteilige Idee gekommen – Navigation nur visuell. Es muss also ein möglichst kleines Display her, dass mir nur die nötigsten und relevanten Informationen zur Navigation anzeigt. Dabei bin ich über die aktuell in aller Munde befindlichen SmartWatches – also intelligenten Armbanduhren gestoßen.

Apple außen vor!

Gleich vorweg, es geht hier im Weiteren ausschließlich um Lösungen für Android User. Da ich Apple-Produkte weder mag noch nutze und zudem die Apple iWatch für solche Zwecke am Motorrad meiner Meinung nach und generell weit überteuert ist.

Wenn es nun bei einer solchen Smartwatch nur um die Anwendung am Bike geht, sind die Anforderungen unter Umständen andere als wenn es ein Modell fürs Handgelenk sein soll. Denn es muss nicht das neueste Modell sein, was schon mal einen deutlichen Preisvorteil hat. Zudem sollte die Uhr weitestgehend wasserdicht sein. Ein mögliches Laden der Uhr während der Fahrt sollte möglich sein, wird sich aber meist negativ auf die Wasserdichtigkeit auswirken. Aber dazu später mehr. Ich bin also auf die Suche nach einer geeigneten SmartWatch gegangen und blieb am Ende bei der SONY SmartWatch 2 (SW2) hängen. Das Display gehört nicht zu den kleinsten, die Auflösung ist OK, die Uhr vom Design her schön kantig und passt somit auch optisch ans Bike. Als gebrauchte Uhr bekommt man SW2 aktuell (Mai 2015) bereits ab 69,- Euro auf Marktplätzen. Es muss ja schließlich keine neue Uhr sein.

Diese Uhr gibt es mit Metallarmband und Gummi/Kautschuk-Armband. Da ich mir noch nicht sicher bin, wie die Befestigung am Motorrad später aussehen wird, habe ich mich für das Kautschuk-Band entschieden, zumal diese Variante i.d.R. günstiger ist.

Generell müssen für diese angedachte Lösung am Motorrad zwei Dinge umgesetzt werden. Es braucht eine Navisoftware oder App die auch auf der Uhr läuft und es muss eine Halterung her. Die wird es vermutlich nicht von der Stange geben, also muss zumindest für eine Prototyp-Lösung oder besser Findung gebastelt werden. Als die Uhr auf dem Tisch lag, habe ich mich erstmal um die Software gekümmert. Mal sehn was der Playstore von Google so her gibt. Am Smartphone selbst habe ich bereits Navisoftware geutzt. Entweder das kostenlose Google Maps mit dem man auch Routen planen und sich navigieren lassen kann oder auch  „Navigon“ (nicht kostenlos) von Garmin als recht ausgereifte Software. Bei der Suche nach Apps für Smartwatches bin ich auch noch über die kostenlose App von Nokia mit dem Namen „here“ gestoßen. Auf dem Smartphone laufen nun alle drei Apps. Hier die Links in den Playstore:Sony_SmartWatch 2_b

Goole Maps:
Garmin Navigon:   (nicht kostenlos)
Nokia here:

Zu allen drei Apps gibt es auch passende Gegenstücke für SmartWatches. Für Google Maps gibt es zwei Apps, die beide nicht kostenlos sind, aber mit einem Preis von unter 1,- Euro auch keine wirkliche Investiton.

Für Google Maps sind das:  iOnWatch und Smart GNavi.
Für die Nokia App ist das: Smart HereNavi
und für Garmin Navigon: SmartWatch Connect.

Leider konnte ich die Garmin Lösung nicht nutzen, da diese nur als Special Version für Sony Xperia Smartphones herausgebracht wurde. Auch wenn man eine Sony SmartWatch hat, arbeitet die App anscheinend nicht mit Samsung oder anderen Smartphones zusammen. Schade, somit fällt diese sicher nicht uninteressante Software für mich flach.

Konzentrieren wir uns auf Google Maps.

Wie Google Maps funktioniert brauche ich hoffentlich nicht erklären. Man aktiviert GPS, wählt ein Ziel aus und startet die Navigation. Ist die Uhr vorher mit dem Smartphone gekoppelt und die beiden App´s installiert (sie tauchen nach der Installation automatisch auf der Uhr auf), wählt man eine der Navi App auf der Uhr aus. So lange man die Navigation noch nicht gestartet hat, zeigt die Uhr einen Wartescreen. Mit click auf Start am Smartphone erscheinen die Screens auf der Uhr. Wichtig, die Apps auf der Uhr müssen noch einmalig im Smartphone freigegeben werden damit sie Daten empfangen können. Dazu wählt man auf der Uhr „Einstellungen“ und „Apps“. Dann wählt man die betreffende(n) App(s) aus. Im selben Moment poppt auf dem Smartphone das Menü auf, wo man die Berechtigung der App der Uhr freigibt. Die beiden Navi Apps funktionieren auf der SmartWatch einwandfrei, unterscheiden sich aber deutlich in der grafischen Umsetzung, wie man an den Screens erkennen kann.

Mit deutlichem Abstand gefällt mir die iOnWatch App am Besten. Trotz oder gar wegen dem schlichten Design.

App: iOnWatch

App: iOnWatch

Mittig im Screen gibt es einen dicken Pfeil der den nächsten Richtungswechsel anzeigt. Nähert man sich dem Richtungswechsel, ändert der Pfeil seine Farbe von unten nach oben und füllt sich mit dieser Farbe mit der Annäherung an den Abbiegepunkt zunehmend. Dies funktioniert auch bei Kreisverkehren mit entsprechenden Symbolen.
Weiter werden die Meter bis zum nächsten Abbiegen und die noch vor einem liegende Strecke angezeigt, Inklusive der Ankunftszeit und dieverbleibende Fahrzeit. Mehr braucht man nicht!

 

 

 

App: Smart GNavi

App: Smart GNavi

Smart GNavi funktioniert ebenso, ist mir aber in der Anzeige zu filigran und das Ablesen während der Fahrt ist deutlich schwieriger.  Der Pfeil ändert manchmal erst auf den letzten Metern die Richtung in die man abbiegen muss. Hier punktet iOnWatch mit dem dicken Pfeil deutlich.

 

 

 

 

Ein Blick auf Nokia „here“

App: Smart HereNavi

App: Smart HereNavi

Die Smartphone App funktioniert ganz ordentlich. Auch die separate Erweiterung für die Uhr funktioniert, sobald die Navigation gestartet wird (manchmal erst wenn man sich in Bewegung gesetzt hat) werden die Informationen auf der Uhr angezeigt. Erstmal sieht der Screen recht aufgeräumt aus. Denn auch diese App hat einen Pfeil auf der linken Seite, aber leider ändert sich dieser nie und ist somit völlig sinnfrei, da hier weder Abbiegen noch Kreisverkehre abgebildet werden. Die einzige Info zum abbiegen taucht in Textform rechts auf und ist während der Fahrt kaum bis gar nicht lesbar, weil zu klein.

 

Wie funktioniert das nun am Bike während der Fahrt?

Generell muss noch eine Befestigung gefunden werden. Aber bevor ich damit anfange muss sich die Software und die Uhr selbst einen Test am Bike unterziehen. Also wird die Uhr mit dem Kautschukband straff um den Lenker gewickelt und mit Kabelbindern fixiert. Dies sollte für eine Testfahrt reichen. Hat auch gereicht ;o)

Ich habe alle drei SmartWatch Apps ausprobiert und wie der erste Eindruck vermuten lies, hat sich die iOnWatch als sehr funktional und zweckmäßig herausgestellt. Man kann die Kommandos auch gut während der Fahrt ablesen. Eine nicht vorhandene Stimme habe ich während der gesamten Navigation nicht vermisst. Wie das Ganze nun zugegebener Maßen etwas provisorisch angebastelt am Motorrad aussieht könnt ihr hier sehen.

iOnWatch am Lenker

iOnWatch am Lenker

Wie man an diesem Screen sehen kann, gibt es noch einen kleinen Bug in der Anzeige. Es wird in Textform nicht die Nummer der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr angezeigt. Dennoch bin ich am Ziel angekommen.

Die improvisierte Befestigung mit Kabelbinder ist weder für eine längere Tour noch auf Dauer eine Lösung.
Eine Halterung muss her.

Uhr-Halterung

Zeichnung Halterung Smart-Watch

Basteltime!

So habe ich erst angefangen zu zeichnen…

Dann ein einfaches Grafikprogramm am Rechner genutzt und eine Art Prototypen aus Kunststoff gebaut. Aus mehreren Platten Plexiglas entstand die ziemlich finale Form des Smart-Watch Halters. Das Ergebnis kann man hier sehen.

 

prototyp_1

Halterung Smart-Watch Prototyp

Eine finale Halterung soll aber nach meinem Geschmack aus Aluminium sein. Und so würde normalerweise der gut ausgestattete Freizeit-Metallschnitzer zur Fräsmaschine greifen, vorzugsweise als computergesteuerte CNC. 3D Grafik am Rechner erstellen, einen ollen Klumpen Alu in die Maschine gespannt und ab ans zerspanen. Da ich weder solch ein Gerät im Keller habe noch beruflich davon partizipieren kann, muss ich in Ermangelung professioneller Gerätschaften zur Handarbeit über gehen. Immerhin, Standbohrmaschine und Flex sind mein also ran ans Werk.

Aus einem 5x5x5 cm Aluwürfel vom Metallhändler des geringsten Misstrauen, wurde mit viel Lärm, Späne im Gesicht und heißen Fingern, nach einer einfachen Vorlage, endlich ein Halter der den Namen verdient. Er ist nicht auf das 10tel genau und 100% gerade, aber ich habe ihn mit eigenen Händen und ohne Computerhilfe (eigentlich ein Unding für mich) geschnitzt. Ich kann ansatzweise den Neandertalern nachempfinden wenn sich sich mit beiden Fäusten auf die Brust hauten und Laute von sich gaben die entfernt nach…“Ich habe Feuer gemacht“ klingen…..

So sieht das Teil nun im Rohzustand aus. In Alu-natur noch ohne Farbe und Bohrungen für die Druckknöpfe.

Smartwatch_halterung_1     Smartwatch_halterung_2
Das Ergebnis ist nun eine recht kleine Halterung die am Lenker verbleibt.
Die Uhr selbst wird mit Druckknöpfen einfach eingeklickt und hält bombenfest.

Was jetzt noch fehlt ist der Feinschliff um einige Riefen zu entfernen, die Bohrungen und Gewinde um die Unterteile der Druckknöpfe oben und unten am Halter zu verschrauben und Farbe…. schwarze Farbe….